Weiterhin Preiskampf trotz Air-Berlin-Pleite – aber wie lange noch?

Archivbild Frankfurter Flughafen - Foto: Flying Media

Obwohl mit der Pleite von Air Berlin die Nummer 2 vom deutschen Markt verschwunden ist, fielen die Ticketpreise für Billigflieger in Deutschland zumindest vorerst auf einen neuen Tiefstand. Das ist zumindest das Ergebnis einer in diesem Monat veröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrtechnik (DLR).

Demnach waren im (Früh-)Herbst bisher durchschnittlich 35 bis 97 Euro für ein Ticket bei einer Billigfluggesellschaft zu zahlen. Vor einem Jahr lag diese Preisspanne noch zwischen 44 und 105 Euro. Untersucht wurden Bruttopreise für einen einfachen Flug. Als Hauptgrund für diese Entwicklung sehen Experten die zuletzt fallenden Kerosinpreise. Aber auch der Versuch der Wettbewerber, über den Preis Marktanteile zu gewinnen, machte den Sommer 2017 zum einem Paradies für Schnäppchenjäger.

Ob der Reiseflugmarkt den Absturz von Air Berlin schon vollends preisseitig verarbeitet hat, bleibt indes abzuwarten. Gerade zum Zeitpunkt der Erstellung der DLR-Studie versuchte die sich bereits im Insolvenzverfahren befindliche Pleitegesellschaft, mit Billigstangeboten Kunden zu anzulocken. Diese Zeiten sind nach der Übernahme wesentlicher Teile von Air Berlin durch die Lufthansa mittlerweile aber vorbei. Insofern blicken alle Marktteilnehmer gespannt auf die Preiseentwicklungen in der anstehenden Wintersaison. Denn auf dem deutschen Markt hat sich bei den Low-Cost-Carriers in den letzten Wochen viel bewegt.

Im Zentrum der Umwälzungen steht natürlich die Air Berlin, die Mitte Oktober in wesentlichen Teilen von der Lufthansa übernommen wurde. Die Maschinen der Air Berlin sollen in die hauseigene Billigtochter Eurowings integriert werden. Eurowings hatte nach Mitteilung von DLR bereits im Sommer 50 neue Strecken eingeführt und ist nun im Discountbereich mit 368 Verbindungen Marktführer.

Platz 2 hält derzeit die Billigline Ryanair mit 243 Strecken. Europaweit sind die Iren immer noch Marktführer vor der britischen Easyjet, aber in Deutschland läuft es nicht so geschmiert wie im restlichen Europa. Zuletzt gab Ryanair bekannt, sein Angebot Richtung Winter auszudünnen.

Aktuell stehen Flugreisenden ab Deutschland mit 800 gleich 100 Verbindungen mehr zur Auswahl als im Vorjahr. Jedes vierte Passagierflugzeug, dass von einem deutschen Flughafen startete, gehört zu einer Billiggesellschaft. Pro Woche sind es nunmehr fast 5000 Flüge, 2016 waren es noch knapp 4.400.  Auf Seiten der Fluggäste profitieren solche mit Zielen in Südeuropa wie Spanien. Italien oder Griechenland, bei den Flughäfen gehörten Nürnberg, Düsseldorf und Berlin-Schönefeld zu den größten Gewinnern. Am Flughafen im Süden Berlins wurden 14,6% mehr Reisende abgefertigt, laut Betreibergesellschaft waren es ungefähr 9,7 Millionen. So weit, so gut.

Schaut man sich die Untersuchung aber genauer an, so finden sich einige Punkte, die für zeitnahe Preisanhebungen sprechen. So liegt der Marktanteil der Billigflieger in Europa mit 29% schon über dem deutschen Niveau. Viele Deutschlandstrecken, nämlich 81%, werden nur von einer Billigairline direkt bedient. Auf dem deutschen Markt fehlt es also oft an Angeboten der Konkurrenz, und durch die Übernahme der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft durch den Marktführer Lufthansa schlägt das Pendel gerade in die andere Richtung aus.
Der „Low Cost Monitor“ wird vom DLR zweimal jährlich herausgegeben. Man darf also sehr gespannt sein, welchen Sturm – oder eben welches laufe Lüftchen – die durch den Untergang der Air Berlin erzeugten Wellen auf dem Markt bis dahin verursacht haben.

von Stefan Höhm (sh)

 

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