Ex-Air-Berlin-Chef verteidigt sich weiterhin

Archivbild Airberlin Flieger - Foto: Flying Media

„Manager mit goldenem Fallschirm“ oder „Raffke“ – solche Bezeichnungen musste Thomas Winkelmann, der letzte Chef der insolventen Air Berlin, in den letzten Tagen und Wochen über sich in den Zeitungen lesen. Hintergrund ist, dass sich Winkelmann seine Gehalt von bis zu 4,5 Millionen Euro im Jahr bis Anfang 2021 von der damals schon trudelnden Fluggesellschaft per Bankgarantie hatte absichern lassen.

Auf der Jahrestagung des Luftfahrt-Presse-Clubs (LPC) in München ging er jetzt erstmals auf die massiven Vorwürfe ein. Es „tue weh“, öffentlich so hingestellt zu werden, sagte Winkelmann, die Kritiken an seinem Verhalten würden ihn „sprachlos“ machen. Zugleich warb er um Verständnis für sein Handeln, schließlich hatte er noch einen Vierjahresvertrag bei der Lufthansa, und sein Grundgehalt sei das gleiche wie aller Air-Berlin-Chefs seit 14 Jahren, „bis auf Hartmut Mehdorn, der hat mehr bekommen“.

Für den einfachen Angestellten, der infolge der Insolvenz nicht weiß, was die Zukunft bringt und wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten soll, mögen diese Worte tatsächlich wie Hohn vorkommen. Jeder sollte sich aber selbst fragen, wie er an Stelle von Winkelmann gehandelt hätte. Schön finden muss man diese Konstellation nicht, sie ernsthaft zu kritisieren dürfte aber nicht Winkelmann treffen, sondern zu einer grundsätzlichen Systemdebatte führen.

Sicher ist auch, dass es nicht Winkelmann war, der bei Air Berlin die Weichen Richtung Absturz gestellt hat. Diesen Schuh müssen sich andere anziehen. Zu hinterfragen wäre aber, in wessen Interesse Winkelmann in den letzten Monaten wirklich gehandelt hat. Denn nach eigenen Worten wusste er zu Beginn seines Engagements, wie schlecht es um die Airline stand: „Air Berlin hatte seit zwei Jahren nicht einmal mehr so viel Kredit, um einen VW Polo zu leasen“. Auch kannte er die totale Abhängigkeit vom Großaktionärs Etihad, der das Fass ohne Boden namens Air Berlin schon im November 2016 loswerden wollte. Schließlich habe die Gesellschaft in 10 Jahren 3 Milliarden an Verlusten erzeugt. „25 Millionen pro Monat“, wie Winkelmann selbst ausrechnete.

Da können schon Zweifel daran aufkommen, ob Winkelmann überhaupt an einen Erfolg seiner Tätigkeit glauben konnte bzw. durfte. „Geschmäckle“ hat nämlich vielmehr, dass sich sein vormaliger Arbeitsgeber einen Großteil von Air Berlin sichern konnte. Und es kam nicht wenigen Marktteilnehmern schon im August verdächtig vor, wie schnell Politik – und natürlich Lufthansa – im Sommer nach der Beantragung der Insolvenz mit „Konzepten“ vor der Tür standen, auch wenn Winkelmann jetzt auf einen „öffentlichen Verkaufsprozess“  verweist, bei dem „alles transparent“ gewesen sei.

Zudem würdigte die „Erfolge“ im Insolvenzverfahren, wonach 80% der Mitarbeiter „eine Chance“ auf einen sicheren Arbeitsplatz hätten – sofern die Wettbewerbshüter dem Deal zustimmten. Angesichts der Tatsache, dass eine „Chance“ nur eine vage Möglichkeit ist und den Mutmaßungen in der Branche, wonach es bei der Billigtochter der Lufthansa, der Easyjet, nur das halbe Gehalt gegenüber Air Berlin gäbe, hätte Winkelmann für diese Aussage wirklich scharfe Kritik verdient. Zu 100%.

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